Interviewreihe: Heute mit Fabio Digenti

Fabio, obwohl du schon bald in deine 3. Saison beim FC Linth 04 gehst, kennen dich viele "nur" als den «Trainer vom Eis», um ein wenig neben dem "bekannten Gesicht" auch eine Geschichte und einen Charakter zu geben haben wir folgende Fragen an dich:



Stelle dich doch in 2-3 Sätzen bitte kurz vor:

Ich bin 38 Jahre jung. Mein Vater ist Italiener, meine Mutter Engländerin – somit ist es nicht verwunderlich, dass der Fussball durch meine Adern fliesst. Ich würde mich als realistischen Optimist bezeichnen, der den Fussball liebt.


Du gehst im Sommer in deine 3. Saison als Cheftrainer im Fanionteam des FC Linth 04. Was war für dich die grösste Veränderung im Gegensatz zum vorherigen Trainerposten?

Ich habe – sei es als Spieler oder Trainer – praktisch jede Liga in der Schweiz gesehen. Der grösste Unterschied zwischen den höheren und tieferen Ligen ist die Einstellung und Mentalität der Spieler. Je höher die Liga, desto schneller müssen die Spieler denken und handeln können. Ein Spieler auf 1. Liga Niveau muss heute schnelle und richtige Entscheidungen treffen können.


Wie bist du überhaupt zum Trainerjob gekommen?

Als ich noch als Spieler aktiv war, habe ich bereits das C-Diplom absolviert. Zuletzt habe ich beim SV Rümlang, meinem Stammverein, in der 3. Liga gespielt. Als es dort zu einem Trainerwechsel kam, gab mir der Verein die Möglichkeit, meine Fähigkeiten als Trainer unter Beweis zu stellen. Ich habe schnell gemerkt, dass mir die Aufgabe als Trainer enorm viel Spass bereitet. Ich habe in den letzten Jahren auch die benötigten Weiterbildungen absolviert und besitze heute das UEFA A-Diplom.


Welche Höhepunkte hattest du in deiner aktiven Fussballerkarriere?

Ich wurde mit dem Grasshopper Club Zürich in der Saison 2002/03 Schweizer Meister und kam als junger Spieler zu einigen Einsätzen. Mit dem FC Schaffhausen bin ich von der Challenge League in die Super League aufgestiegen und war Mitglied der Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaften.


Gab es als Spieler auch Tiefpunkte?

Im Leben und speziell im Sport gehören Tiefpunkte dazu. Es gibt viele Situationen, in denen du als Spieler an den Anschlag kommst. Gröbere Verletzungen, welche ich durchleben musste, waren sicherlich nicht einfach. Ich glaube, der ausschlaggebende Moment für mich war damals, als ich beim FC Darlington (4.-höchste Division in England) nach mehrwöchigem Aufenthalt und mündlicher Zusicherung für einen Vertrag dann doch keinen Vertrag erhalten habe. Es schien alles in bester Ordnung zu sein, als der Verein kurzfristig den Trainer entlassen hat. Ich hatte einen sehr guten Vertrag in Aussicht und einen Moment später befindest du dich auf Vereinssuche. Heute bin ich glücklich und dankbar, dass ich solche Momente erlebt habe. Der Fussball – mit all seinen positiven sowie negativen Seiten – hat mich als Mensch geformt.


Was zeichnete den Spieler Fabio Digenti aus?

Ich war extrem schnell und stark im 1 gegen 1. Einige namhafte 9er, mit denen ich zusammengespielt habe, würden auch sagen, dass meine Flanken ziemlich genau waren 😃.


Warst du ein einfacher Spieler für deine jeweiligen Trainer?

Im Grossen und Ganzen würde ich ja sagen. Ich bin selbstkritisch genug und kann mich selber gut einschätzen. Wenn ich auf der Bank sass, wusste ich meistens selber, was die Gründe dafür waren. Trotzdem ist es natürlich immer schwierig, wenn du nicht spielst und nicht nachvollziehen kannst warum. Da hat es schon auch mal unangenehme Gespräche gegeben.


Was denkst du, zeichnet dich als Trainer aus?

Ich werde oft gefragt, wie ich es schaffe an der Linie, diese Ruhe auszustrahlen. Emotionen gehören zum Sport und sind sehr wichtig. Ich habe für mich einen Weg gefunden an der Seitenlinie die Emotionen sozusagen durch mich hindurch Richtung Boden zu leiten. Es bringt der Mannschaft nichts, wenn ich mich aufrege oder nervös werde. Ich versuche fokussiert zu bleiben und richtige Entscheidungen zu treffen. In gewissen Situationen sind aber sichtbare Emotionen konstruktiv.


Was für ein Trainertyp bist du, eher ein Lucien Favre oder Jürgen Klopp/Diego Simeone?

Ich möchte mich nicht mit solch grossen Namen vergleichen. Ich gehe meinen eigenen Weg, versuche stets authentisch zu sein und meiner Mannschaft ein gutes Gefühl zu geben. Ich bewundere als Trainer José Mourinho und Christian Streich. Beide sind sehr authentisch, realitätsbezogen und sprechen aus, was viele andere nur denken. Beide schützen ihre Mannschaft bedingungslos und gehen als Vorbild voraus.


Wie würdest du deine Spielphilosophie beschreiben?

Wille, Leidenschaft und Kommunikation. Mit diesen Schlagwörtern kannst du jede Situation, sei es im Leben oder auf dem Fussballplatz, meistern. Nichts und niemand ist wichtiger als das Team. Wir greifen als Team an und verteidigen solidarisch als Team. Diese Einstellung erwarte ich von jedem einzelnen Spieler sowie Staffmitglied.





Wenn du einen fussballerischen Wunsch frei hättest, was wäre der?

Weltmeister werden


Und nun noch ein paar Fragen zur aktuellen Spielzeit, welche ja wieder sehr speziell ist und leider auch nicht so zu Ende gehen wird, wie wir uns das alle erhofft haben. Ob es überhaupt noch zu Spielen kommt, steht in den Sternen. Der Verband wird mit Sicherheit versuchen mindestens die Vorrunde abschliessen zu können.


Wie zufrieden bist du mit der Vorrunde deiner Mannschaft?

Wir können mit der Leistung zufrieden sein. Klar ist immer mehr möglich, jedoch muss man immer die Gegebenheiten betrachten. Zu Beginn der Vorrunde mussten wir auf viele wichtige Spieler verletzungsbedingt verzichten. Wir haben Spiele gewonnen, welche wir auch hätten verlieren können und umgekehrt. Im Grossen und Ganzen können wir aber stolz sein auf unsere Leistung.


Was sind die Gründe, dass die Vorrunde zufriedenstellend lief?

Wir haben einen sehr starken Zusammenhalt im Team und wissen ganz genau, was wir leisten können. Man konnte immer wieder sehen, dass die Mannschaft in den schwierigen Momenten noch näher zusammengerückt ist.


Wie zufrieden bist du mit der bisherigen Vorbereitung?

Corona-bedingt ist auch in diesem Jahr alles anders. Wir versuchen das bestmögliche herauszuholen. Die grösste Schwierigkeit ist, dass wir keinen Plan haben, wie es weitergeht.


Zum Schluss noch eine letzte Frage.


Wie sieht für dich ein perfekter Spieltag aus?


Der Morgen gehört der Familie. Ab 12:00 Uhr ist 100% Fussball angesagt. Ich brauche diese Zeit vor dem Spiel, um nochmals in mich zu gehen und mir den Matchplan vor Augen zu führen. 1,5-2 Stunden vor dem Spiel haben wir den offiziellen Treffpunkt zum Kaffee/Kuchen. 1 Stunde vor dem Spiel machen wir die Matchbesprechung. Danach übernimmt der Assistenztrainer das Warm-up. Um 16.00 Uhr ist Kick-off. Natürlich sind all meine Spieler anwesend – keine Absenzen aufgrund von Verletzungen. Meine Spieler bringen die geforderte Leistung, ich am Spielfeldrand treffe die richtigen Entscheidungen. Und 105 Minuten später sind 3 weitere Punkte im Rucksack. Wir alle gehen dann kurz im Clubhüsli vorbei um die Leute zu begrüssen. Bei einem Sieg liegt auch noch ein Bierchen oder zwei drin.


Vielen herzlichen Dank Fabio für dieses sympathische und offene Interview. Wir hoffen natürlich auf ein baldiges Ende der Pandemie und auf viele Siege des FC Linth 04 – damit wir mit dir bei einem Bierchen im Clubhaus auf die Erfolge anstossen dürfen. Bleibe gesund und bis bald wieder in der Lintharena.

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