Linth 04 ist Revierkönig

Von Südostschweiz (Ruedi Gubser)


Im ersten Fussball-Derby in der 1. Liga hat der FC Linth 04 gegen Herausforderer und Aufsteiger Weesen die Oberhand behalten. Bis der 3:2-Sieg der Glarner jedoch feststand, dauerte es, und am Ende kam er glücklich zustande. 80 Minuten lang war Weesen das bessere Team, spielte zügig nach vorne, deckte die Räume gut ab und war mit Leidenschaft bei der Sache. Was dem tapferen Aufsteiger letztlich fehlte,war das Glück beim Abschluss.Einmal traf Weesen die Latte, einmal den Pfosten. Was Kaltblütigkeit heisst, demonstrierte dafür der FC Linth 04. Aus drei Chancen machten sie zwei Tore, die sie nach 50 Minuten beim Stand von 2:2 auf einen erfolgreichen Nachmittag hoffen liessen. Erst kurz vor Schluss und nach der Einwechslung von Joel Zürni, der mit seiner körperlichen Präsenz nicht nur in der Abwehr gute Arbeit verrichtete, sondern auch Impulse für den Angriff brachte, erarbeiteten sich die Glarner ein Übergewicht. Dass die Kräfte der Weesner allmählich nachliessen, dürfte das Seinige zum starken Finish der Linther beigetragen haben. Der erhöhte Aufwand sollte sich lohnen. In der 90. Minute erzielte Florind Redzepi den 3:2-Siegtreffer.


Fussballderbys sind immer etwas Spezielles. Basel gegen Zürich beispielsweise oder Real Madrid gegen Barcelona. Das sind Derbys auf höherem (Basel – Zürich) oder ganz hohem Niveau (Real – Barcelona). Wobei es hier anzumerken gilt, dass der FC Zürich in der Verfassung von jetzt vielleicht sogar in Reichweite eines 1.-Ligisten liegt. Aber das ist ein anderes Thema. Und dann gibt es auch die Derbys, die in der Fussballprovinz eine grosse Bedeutung haben. So ein Derby war gestern die Partie zwischen Linth 04 und Weesen. Obwohl Linth-Präsident Erich Fischli die Bedeutung dieses Derbys vor der Partie klein redete. «Diese Begegnung wird von den Klubverantwortlichen und dem Umfeld grösser gemacht, als sie ist. Die Spieler selbst empfinden sie nicht als ungemein spezielles Derby. Für sie ist es eine Partie wie jede andere. Für die Spieler von Linth ist eine Partie gegen Tuggen bedeutsamer und eher ein Derby.»


Weesen mit gutem Auftritt


Vielleicht gingen die Linth-Spieler die Partie gegen Weesen deshalb etwas pomadig an und mussten nach dem Pausenpfiff konstatieren, dass es offenbar für die Weesner ein richtiges Derby war. Denn diese zeigten in der ersten Halbzeit und auch in der zweiten Hälfte einen couragierten Auftritt und hätten mehr verdient als eine ehrenvolle Niederlage. Am Ende ging das erste Nachbarschaftsderby in der 1. Liga zwischen Linth 04 und Weesen trotzdem an die Glarner – und damit an den Favoriten. Das ist nichts Aussergewöhnliches. Nur, und jetzt kommt das grosse Aber und das nicht unbedingt Erwartete: Der Aufsteiger in die 1.Liga von der nördlichen Seite der Linth war mehrheitlich besser als der einen Spitzenplatz in der Gruppe 3 anpeilende Gegner südlich der Linth. Weesen tat mehr fürs Spiel, trat kämpferischer auf, war wacher, führte verdient 2:1 und traf zusätzlich zweimal das Aluminium (45. Lattenschuss Timbo, 48. Pfosten Rudolf Bilas). Timbos Lattentreffer zahlte sich für Weesen insofern aus, da unmittelbar darauf das 2:1 von Pascal Huber folgte. Linths Torhüter Miroslav Dabic hielt sein Team mit mehreren guten Paraden im Spiel. So parierte er einen Freistoss von Bilas nach knapp einer Stunde spektakulär. Zu diesem Zeitpunkt hiess es 2:2,weil Amar Sabanovic mittels Kopfball nach einem Eckball den Ausgleich erzielt hatte (50.). Es hätte aber auch das 2:3 sein können, denn zwei Minuten zuvor hatte Bilas den Ball an den Aussenpfosten gesetzt. Dass Linth 04 in der 90. Minute durch Florind Redzepi (ihm war bereits der Führungstreffer zum 1:0 zwei Minuten nach seiner Einwechslung gelungen) das 3:2 erzielte, war Ironie des Schicksals. Weesen durfte an diesem Tag nicht gewinnen, und Linth wurde für einen minimalen Aufwand fürstlich belohnt.


Mario Langer hatte Freude


Es liegt in der Natur der Sache, dass die Trainer der beiden Equipen nach dem Spiel die Partie teilweise unterschiedlich wahrgenommen haben. Auf die Frage, ob Fussball gerecht sei, antwortete Weesens Trainer Mario Langer: «Ja, Fussball ist gerecht. Wer die Chancen nicht nutzt, muss sich am Ende nicht wundern, zu verlieren.» Sein Team habe Fussball gespielt, was man von Linth nicht unbedingt sagen könne. Langer hat es grossen Spass gemacht, seinem Team zuzuschauen. «Ich hatte Freude an unserem Auftritt. Schade ist natürlich, dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen. Aber das ist so im Abstiegskampf. Wer unbedingt auf Punkte angewiesen ist, kriegt sie auch nach einer guten Vorstellung nicht.»


Alles richtig gemacht


«Wir haben alles richtig gemacht. Schliesslich gewannen wir», betonte Linths Trainer Danijel Borilovic. Seine Mannschaft hätte Weesen im Griff gehabt, fuhr er fort. Mit dieser Aussage, sehr aus Sicht von Linth formuliert, wollte Borilovic vermutlich vor allem seine Mannschaft schützen, denn diese feierte den Sieg doch noch überschwänglich. Das könnte darauf hindeuten, dass die Glarner die Partie doch als spezielles Derby betrachteten. Schliesslich musste Borilovic aber doch eingestehen ,dass über weite Teile der Partie bei seinem Team die Laufbereitschaft fehlte. «Wir haben zu lange zu wenig getan für den Sieg. Mir fehlten die Leidenschaft und der Wille, den Kampf anzunehmen und mich auf dem Platz zu bewegen.» Er habe seine Spieler in der Pause gefragt, ob sie das so über sich ergehen lassen wollen, sagte Borilovic. Das wollten seine Spieler offenbar doch nicht und nahmen wenigstens in den letzten zehn Minuten den Kampf an und erzielten das 3:2 zum letztlich doch etwas glücklichen Sieg in einem bedeutungsvollen Derby – oder auch nicht.


Linth 04 – Weesen 3:2 (1:2)

Lintharena, Näfels. – SR Portmann. – 700 Zuschauer.

Tore: 28. Redzepi 1:0. 32. Benis 1:1. 45. Timbo 1:2. 50. Sabanovic 2:2. 90. Redzepi 3:2.

Linth 04: Dabic; Jakovliev, Thrier, Kllokoqi, Bechtiger; Smajovic (26. Redzepi), Giger, Ismaili (79. Zürni), Freitas; Sabanovic, Da Costa.

Weesen: Miljic; Stumpo (69. Gamba), Thoma, Gönitzer, Antoniazzi (89. Kalra); Huber, Bilas, Timbo (81. Riccardi), Stevic, Gentile; Benis.

Bemerkungen: Linth 04 ohne Erbinel (gesperrt), Carava und Aeberli (verletzt) und Caetanao (abwesend). Weesen ohne Dekovic (verletzt). Verwarnungen: 41. Jakovliev (Foul), 42. Kllokoqi (taktisches Foul), 44. Giger (Foul), 58. Bechtiger (Foul), 69. Thoma (Foul), 82. Gentile (unsportliches Verhalten), 83. Riccardi (Foul), 90. Redzepi, 93. Da Costa (unsportliches Verhalten).

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