Interviewreihe: Heute mit Präsident Erich Fischli

Erich Fischli ist seit der Gründung des FC Linth 04 im Jahre 2004 der Präsident des Vereins. Davor war er auch schon als Präsident des FC Näfels aktiv. Seine Ära prägen Aufstiege bis in die 1. Liga und auch die drei Cupspiele gegen die Superligisten Luzern, St. Gallen und Sion.




Erich, vielen Dank dass du dir Zeit für uns nimmst. Wird Dani Feldmann noch länger in der

1. Mannschaft spielen oder du Präsident sein? 😃

Dani ist der wertvollste Spieler seit der Gründung des FC Linth 04 - was er auf und neben dem Platz leistet und geleistet hat, sucht seinesgleichen und ist wohl einmalig in der Schweiz. Mir ist jedenfalls nichts gleichwertiges bekannt. Leider wird auch Dani älter, die Muskeln und Knochen schmerzen immer häufiger und die Altersuhr tickt unaufhörlich immer weiter und auf einmal wird die Schlussglocke läuten.


Bei mir ist es anders, die körperliche Altersuhr hat schon vor Jahren geläutet, wann die geistige Uhr läutet, ist noch offen, aber eines Tages wird auch diese läuten.


Du bist seit dem Tag der Gründung des FC Linth 04 Präsident. Bekommt man davon nie genug?

Seit ich mich erinnern kann und dies sind über 60 Jahre, habe ich meine meiste Freizeit auf dem Fussballplatz verbracht – zuerst mit meinem Vater, dann als Junior und Aktiver und jetzt als Vater, Grossvater und Funktionär. Ich habe einfach Fussball im Blut und solange mein Blut durch meine Adern fliesst, bin ich auf dem Fussballplatz.


Du warst auch Präsident des FC Näfels (im Jahre 2004 fusionierten der FC Näfels und der FC Niederurnen zum FC Linth 04), wo siehst du die Hauptvorteile von diesem gemeinsamen Verein.

Vorweg – als die beiden Vereine fusionierten, war ich nicht Präsident des FC Näfels – das war Martin Schuler sel.

Der Vorteil der Fusion war, dass wir durch die Bündelung der Kräfte nicht nur sportliche Erfolge erzielen konnten, die wir als Einzelverein nie und nimmer erreicht hätten, sondern dass wir auch zu einem der grössten Vereine in der Ostschweiz geworden sind und Anerkennung weit über die Kantonsgrenzen geniessen dürfen.


Die Nachbarvereine in Glarus Mitte und Süd haben bisher nicht fusioniert. Wo sind denn die Nachteile bei der Fusion?

Grösse ist oft Segen – kann aber auch ein Fluch sein. Es allen Leuten recht zu machen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit, der Spieler, der Mitglieder, diese glauben leider noch zu oft, dass alles von alleine kommt. Eine Fusion ist harte Arbeit und ob es gelingt, zeigt sich erst nach Jahren. Was uns betrifft finde ich, dass wir die Fusion doch recht gut hingekriegt haben – fehlerlos waren und sind aber leider auch wir nicht. Der sportliche Nachteil ist sicher das fehlende Derby Niederurnen gegen Näfels – ein Höhepunkt in jeder Saison, diesen vermisse ich, da ich selbst oft bei solchen dabei war, in welcher Rolle auch immer.





Was war dein bisheriges Highlight als Präsident?

Als Präsident eines so grossen Vereins mit so vielen Mannschaften, habe ich jedes Wochenende ein Highlight – ich freue mich jeden Sonntagabend an den Siegen unserer Mannschaften; die Niederlagen vergesse ich dann einfach. Am meisten in Erinnerungen bleiben natürlich die sportlichen Erfolge wie die Aufstiege der verschiedenen Mannschaften, die unvergesslichen Cupspiele, aber auch die Aufstiegsfeiern, Martiniballs etc. bleiben für immer in Erinnerung. Ein grosses Highlight für mich ist auch, dass wir heute als Einheit auftreten – nicht mehr als Niederurner oder Näfleser – wir sprechen heute vom FC Linth 04. Dies zu erreichen, war mindestens so schwierig wie die sportlichen Aufstiege.


Wie immer im Leben gibt es Dinge, welche man im Nachhinein ändern würde, was wäre das bei dir bezogen auf den FC Linth 04?

Perfekt ist niemand – Fehler haben wir gemacht. Wir haben aber immer versucht die gemachten Fehler zu korrigieren, was sicher nicht immer gelungen ist, aber wie es so ist im Leben - im Nachhinein ist man ja immer schlauer.


Aktuell sind die sportlichen Leistungen beim FC Linth 04 sehr zufriedenstellend, allerdings harzt es auf Juniorenebene etwas. Es konnte weder eine A- noch eine B-Juniorenmannschaft gemeldet werden. Was tut ihr dafür, dass sich das ändert?

Die Juniorenarbeit, vor allem von Junioren C an aufwärts, ist heute ein sehr schwieriges Thema. Auf der einen Seite haben die Jugendlichen heute so vielfältige Freizeitmöglichkeiten, auch die Unterstützung der Eltern lässt immer mehr nach und dann kommen die hohen Anforderungen in Schule und Lehre – all diese Komponenten neben der Pubertät – machen es sehr schwierig, Junioren A und B zu führen und zu begeistern. Ich hoffe allerdings, dass wir nächste Saison wieder eine Junioren B Mannschaft stellen können, das wäre ein erster Schritt. Im Weiteren versuchen wir vom Kinderfussball an, den Kindern die Begeisterung für den Fussball weiter zu vermitteln, so dass diese, wenn sie keinen Fussball mehr haben, diesen zumindest etwas vermissen.


Die jetzige Zeit ist für jeden Verein sehr schwierig. Es bleiben viele Einnahmemöglichkeiten aus. Du als Präsident und Finanzchef musst aber trotzdem die laufenden Rechnungen begleichen können. Was für Möglichkeiten hattest du da und wie gross war der Aufwand dafür?

Die Folge dieser Pandemie spüren wir natürlich auch auf der finanziellen Seite. Verschiedene Einnahmenquellen versiegten wie zum Beispiel das alljährliche Oktoberfest, Matcheinnahmen, Sponsoringgelder und Einnahmen der Clubhäuser um nur einige zu nennen. Als Kompensation konnten wir für 2020 ein Gesuch beim BASPO stellen – ich musste rund 40 Seiten Papiere und Formulare ausfüllen und Unterlagen einreichen – aber es hat sich gelohnt – wir haben einen Beitrag erhalten und konnten so den finanziellen Schaden begrenzen. Ebenfalls konnten wir bereits für 2021 (1. Trimester) ein Gesuch einreichen – ob wir etwas erhalten, wird sich weisen. Dies ist immerhin ein kleiner Trost, trotzdem ein für unseren Verein wichtiger, wofür wir natürlich sehr dankbar sein.


Wie sehr prägt dich diese ganze fussballfreie Zeit?

Es ist einfach frustrierend und aus meiner Sicht unverständlich.