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1. Mannschaft: Den Favoriten ins Straucheln gebracht, aber nicht gestürzt

Linth 04 zeigt gegen Sion sein Cup-Gesicht, tritt sehr couragiert auf, dominiert den Super-League-Vertreter phasenweise, verliert aber dennoch mit 0:2.

 

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Harte Bandagen: Linth 04 verlangt Sion alles ab, hier kämpfen Filip Brezina (rechts) und Birama Ndoye um den Ball.  Bild Gian Ehrenzeller/Keystone
 

von Ruedi Gubser

Nicht alle Prognosen trafen gestern beim Cup- Achtelfinalspiel zwischen Linth 04 und Sion zu. Während die Wettervorhersage von Meteo Schweiz mit dem Dauerregen während des gesamten Spiels voll ins Schwarze traf, lagen Linths Präsident Erich Fischli und Trainer Fabio Digenti mit ihren Prognosen, gegen Sion zu gewinnen, daneben. Wenn auch denkbar knapp.

0:2 mussten sich die Linther dem Super-League-Verein geschlagen geben. Das Team von Fabio Digenti zeigte sich der schwierigen Aufgabe ausgezeichnet gewachsen und verlangte den Wallisern alles ab. Vor allem in der zweiten Halbzeit. In dieser legten sie den Respekt aus der Anfangsphase vor dem drei Ligen höher spielenden Sion endgültig ab und spielten frech mit. In den zweiten 45 Minuten waren sie sogar die bessere Mannschaft. Zu hochkarätigen Möglichkeiten reichte dieser couragierte Auftritt allerdings nicht oft. Zu abgeklärt spielte Sion in der Defensive. Für Linth gabs praktisch kein Durchkommen. Birama Ndoye und Ayoub Abdellaoui hatten im Abwehrzentrum auch durch ihre physische Präsenz alles im Griff. Und dennoch hätte Amar Sabanovic in der 90. Minute beinahe noch den Ausgleich erzielt. In der Nachspielzeit traf dann Pajtim Kasami zum 2:0 ins leere Linther Tor.

Strittige Szenen
«Mein Team spielte sensationell», lobte Digenti seine Spieler am Schluss. «Wir verlangten Sion alles ab und hätten mit etwas Glück den einen oder anderen Treffer erzielen können.» Mit dem fehlenden Glück sprach Digenti auch den Schiedsrichter an, der nach seiner Meinung bei zwei strittigen Szenen mindestens einen Strafstoss für Linth hätte pfeifen können. «Wäre der Ausgleich gefallen, hätten wir das Spiel gewonnen», meinte Digenti weiter.

Sions Trainer Stéphane Henchoz war die Erleichterung über diesen knappen Sieg anzusehen. «Es war ein wichtiger Sieg für uns. Einmal, weil der Cup für Sion immer wichtig ist, aber auch, weil wir zuletzt nicht mehr gewonnen haben.» Sion sei sich der schwierigen Aufgabe bewusst gewesen und Linth der erwartet harte Gegner, so Henchoz weiter. Nach diesem Erfolg dürfte er etwas ruhiger geschlafen haben. Wie wichtig der Cup für Sion ist, war vor Spielbeginn auch dem Präsidenten Christian Constantin anzumerken gewesen. Er konnte nämlich seine Nervosität nicht verbergen.

 

Wieder früher Rückstand
Der Plan, ein frühes Gegentor zu vermeiden, ging für die Linther nicht auf. Bereits nach zehn Minuten lagen sie im Rückstand. Mit dem ersten richtigen Angriff und dem ersten Torschuss hatte Kasami nach einer Flanke von Ermir Lenjani zum 1:0 vollendet. Am Ursprung dieses Tores stand eine ungenügende Kopfballabwehr von Levin Schindler in die Füsse von Yassin Fortune. Frühe Rückstände sind für Linth 04 in Cup-Partien gegen höherklassige Gegner nichts Neues. Sowohl gegen St.Gallen vor zwei Jahren wie auch im August gegen Schaffhausen waren die Glarner rasch ins Hintertreffen geraten. Beide Male kassierten sie die Tore in der 14.Minute. Beide Male konnten sie ausgleichen – und gegen Schaffhausen sogar gewinnen.

Im Wissen, gegen favorisierte Teams Rückstände aufholen zu kön- nen, blieb Linth auch gestern ruhig und wartete auf die richtigen Gelegenheiten. Diese boten sich Dejan Ilic (24.) und Amar Sabanovic (35.). Ilic verschaffte sich mit einer schönen Körpertäuschung freie Schussbahn. Sein Schlenzer flog aber am Lattenkreuz vorbei.

Einem Tor noch näher kam Sabanovic. Sein Kopfball auf einen Eckball von Sandro Carava zwang Anton Mitrjuschkin im Sittener Tor zu einer Glanzparade. Am Ende der ersten Halbzeit ging der Eintore-Vorsprung der Walliser in Ordnung, hatte doch Linth bei einem Abschluss Doumbias gleich doppeltes Glück. Erst traf Sions Stürmer mit einem Kopfball den Pfosten, und den Abpraller wehrte Linths Torhüter Lorenzo Lo Russo anschliessend mit dem Bein auf der Linie ab.

Zusammenfassung Spiel sf.tv

 

Linth 04 – Sion 0:2 (0:1)

Buchholz, Glarus. – 2700 Zuschauer. – SR Fähndrich.
Tore: 10. Kasami 0:1. 96. Kasami 0:2.
Linth 04: Lo Russo; Schindler, Thier, Feldmann, Hren (77. Bechtiger), Ilic, Carava, Guto, Brezina (73. Ismaili), Sanchez, Sabanovic.
Sion: Mitrjuschkin, Maceiras, Ndoye, Abdellaoui, Lenjani, Kasami, Grgic (74. Kouassi), Zock, Toma, Fortune (90. Facchinetti), Doumbia (64. Uldrikis).
Bemerkungen: Linth 04 ohne Petrovic und Caetano (beide gesperrt), Budimir (abwesend). Sion ohne Raphael, Fickentscher und Song (alle verletzt). 45. Pfostenschuss Doumbia. – Verwarnungen: 47. Hren, 47. Kasami (unsportliches Verhalten), 70. Carava, 80. Ismaili, 83. Uldrikis (alle wegen Foul).