FC Linth 04 4 0 FC Wohlen
12/08/2017 - 17:00
Allmeind, Niederurnen
1/32-Final - Helvetia Schweizer Cup

Überragend, sensationell, tadellos, super solidarisch

Dem FC Linth 04 gelingt in der 1. Hauptrunde des Schweizer Cups die grosse Überraschung. Nach einem beherzten und ausgezeichneten Auftritt bezwingen sie den Challenge-League-Verein Wohlen gleich mit 4:0.

 
Eine starke Gruppe: Spieler, Trainer und Funktionäre des FC Linth 04 lassen sich nach dem Überraschungscoup gegen Wohlen feiern.                                          Foto von S. Subramaniam

 

Von Ruedi Gubser

Was für ein Ergebnis! Linth 4 – Wohlen 0. Beim Blick auf die Anzeigetafel traute man seinen Augen nicht. Auch Augen reiben veränderte nichts. Das Verdikt blieb gleich: 4:0. War vor dem Spiel unter Einbezug aller optimalen Varianten (glückliche Glarner, pechbehaftete Wohlener, optimaler Spielverlauf, wohlgesinnter Schiedsrichter, Rückenwind, usw.) ein Sieg für Linth als möglich erachtet worden, durfte nach dem Spiel konstatiert werden, dass Linth 04 absolut verdient gewann. Nicht nur das Schlussresultat sorgte für Augen reiben. Es war der gesamte Auftritt, mit dem die Glarner überraschten – das Publikum ebenso wie die drei Klassen höher spielenden Aargauer. Nicht überrascht war hingegen Linths Trainer Roland Schwegler: «Wir spielten genauso, wie wir uns das vorgenommen hatten. Das Team setzte die taktischen Vorgaben perfekt um. Wir wussten um die Schwachstellen bei Wohlen und konnten diese ausnützen.» Schwegler sprach von einer tadellosen Leistung seiner Mannschaft, die geprägt war von einer unglaublichen Solidarität. Jeder kämpfte für jeden. Wurde ein Linther ausgespielt, war bereits der nächste zur Stelle, der die Situation bereinigte.

«Es war ein überragender Auftritt. Ein riesiges Kompliment an alle für ihren tollen Einsatz.»
Roland Schwegler, Trainer FC Linth 04

Unüberwindbares Bollwerk
Nachdem die Glarner die Anfangsnervosität abgelegt hatten, spielten sie gross auf. In der Abwehr bildeten sie mit einer kompakten, sehr disziplinierten und hochkonzentrierten Leistung ein unüberwindbares Bollwerk und nahmen den Wohlener Stürmern Tadic und Sulejmani schnell einmal die Lust an kreativen Einfällen. Beide blieben blass und kamen nur zu drei Abschlüssen (zweimal Sulejmani in der ersten halben Stunde und Tadic mit einem Kopfball, 55.). Offensiv konnte Linth mit Angriffen über die Aussenbahnen Nadelstiche setzen, verfügte mit William Pizzi über einen «Wirbelwind», der praktisch bei jedem Antritt für Torgefahr sorgte, und den die Wohlener Hintermannschaft nie in den Griff bekam. Ein Zweiter, der aus dem solidarischen Ensemble herausragte, war Danko Savanovic. Der 1,96 m grosse Torhüter, der auf diese Saison zu Linth gestossen ist, beanspruchte die Lufthoheit klar für sich und schien die Flankenbälle magisch anzuziehen. «Er spielte sensationell. Er war eine Wand», freute sich Roland Schwegler. Savanovic überzeugte nicht nur bei hohen Bällen. Er glänzte auch mit gutem Stellungsspiel, starken Reflexen und Mut. So warf er sich mehrmals vor gegnerische Füsse, um den Ball zu behändigen. Seine grösste Tat vollbrachte er in der 55. Minute, als er einen Kopfball von Tadic aus nächster Nähe abwehren konnte. Damit verhinderte er das 1:3, das womöglich für eine hektische  Schlussphase gesorgt hätte. Savanovic war in diesem Spiel zusätzlich motiviert, weil er gegen das Team seines ehemaligen Nachwuchstrainers bei GC antrat. Ranko Jakovljevic war damals nicht überzeugt gewesen von Savanovic.

Schlüsselszene
Eine Schlüsselszene hatte sich nach einer halben Stunde ereignet. Nach einem abgefangenen Angriff von Linth stand Pavel Stefl als hinterster Feldspieler plötzlich drei Wohlenern gegenüber. Diese entschärften die Situation praktisch selbst, indem Seferi den Ball direkt auf den Kopf von Stefl zirkelte, der nicht nur abwehren, sondern gleich den Gegenangriff einleiten konnte. Am Ende dieses traf Sandro Carava zum 1:0 (34.). Sechs Minuten später krönte Pizzi seine starke Leistung mit dem 2:0.
Das 3:0 durch einen Kopfball Stefls nach einem Eckball fiel zu einem sehr günstigen Zeitpunkt, nahm Wohlen den Wind aus den Segeln und verleitete vermehrt zu Frustfouls. Am heftigsten traf es Carlo Antoniazzi, der nach einem Foul vom Schuh des Täters – absichtlich oder unabsichtlich – getroffen wurde und an der Stirn blutete. Sinnbildlich für den vorbildlichen Einsatz der Linther war dann das 4:0. Ismaili, der kaum noch gehen konnte, bediente präzise den alleine vor Goalie Tahiraj stehenden Sanchez, der den in dieser Höhe sensationellen Sieg perfekt machte.

Fehlender Charakter bei Wohlen
Während der Jubel bei Linth grenzenlos war, rief Wohlens Trainer Ranko Jakovljevic seine Truppe noch auf dem Spielfeld zu einer Krisensitzung zusammen. «Das war nichts», sagte er konsterniert zur «Südostschweiz», «wir traten überheblich auf, ohne Engagement, ohne Siegeswillen, ohne Charakter. Ich kann mir unsere Leistung nicht erklären, nachdem wir am Mittwoch in der Meisterschaft gegen Xamax so gut gespielt haben.» Zu Torhüter Savanovic meinte er: «So gut gehalten hat er in seinem ganzen Leben noch nicht.» Für Wohlen war es die erste Cup-Niederlage gegen einen Unterklassigen seit fast acht Jahren.

SPIELTELEGRAMM:
FC Linth 04  –  FC Wohlen          4-0 (2-0)
Allmeind, Niederurnen   –   SR: Tomasz Superczynski
Tore: 1-0 (33. Carava), 2-0 (39. Pizzi), 3-0 (53. Stefl), 4-0 (88. Sanchez)

FC Linth 04: Savanovic; Hauer, Stefl, Feldmann, Hren; Ismaili, Carava, Brezina, Bischofberger (62. Sanchez); Pizzi (79. Schnyder); Sabanovic (65. Antoniazzi)
FC Wohlen: Tahiraj; Elvedi, Hajrovic, Gudelj (69. Marjanovic), Bicvic; Stadelmann, Seferi (46. Romano), Schultz, Kleiner (46. Aliu); Sulejmani, Tadic

Verwarnungen: Gudelj, Antoniazzi, Hajrovic, Stefl
Bemerkungen: Linth ohne Skoranjec, Miljic (beide verletzt)


Weitere Berichte zum Spiel:

 

Impressionen vom Spiel (Fotos von N. Feldmann):

Schweizer Cup 1/32-Final FC Linth 04 vs. FC Wohlen - 12.08.2017